Nnimmo Bassey besuchte Collegium Bernardi

Projekte_der_Hoffnung_2012_5
22.11.2012 - Christian Kusche

Nnimmo Bassey besuchte Collegium Bernardi

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"Projekte der Hoffnung" am Collegium Bernardi 2012 - Nnimmo Bassey. Ein Mann. Eine Mission. Ein Ziel. Ein Phänomen.

Am Donnerstag, den 22.11.2012, durfte die „Kerngruppe“ unter der Leitung von Prof. Walter Müller und der Unterstützung durch Prof. Maria Lässer, durften die Schüler der Klassen 7a, 7b, sowie 8a einem Vortrag des Nigerianers Nnimmo Bassey beiwohnen, welcher im Rahmen der „Projekte der Hoffnung“ (http://www.projekte-der-hoffnung.at) das Collegium Bernardi besuchte. Unser Schulstandort ist einer unter vielen Kooperationspartnern dieses in Österreich einzigartigen Projektes, welches alljährlich stattfindet. Die Zielsetzung desselben liest sich auf der Homepage wie folgt:

Schulprojekt

Die Weltbevölkerung wächst mit einem enormen Tempo. Bereits heute sind fast ein Drittel aller Menschen auf unserer Erde Jugendliche. Sie und die nachfolgenden Generationen haben ein Recht auf eine gesunde und lebenswerte Welt. Seit den Anfängen der Projekte der Hoffnung sind Schulen mit eingebunden.

Zur Person Basseys (sprich /bassi/):

Der Nigerianer ist studierter Architekt, Poet und einer der international wichtigsten Umweltschutz- und Menschenrechtsaktivisten sowie einer der angesehensten Protagonisten der globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit. Seit 2008 ist er Vorsitzender der „Friends of the Earth“ und von „Environmental Rights Action“. Das Time Magazine wählte ihn 2009 zu einem der „Heroes of the Environment“ („Helden der Umwelt“). Bassey erhielt den Alternativen Nobelpreis 2010 „weil er die ökologischen und menschlichen Kosten der Ölförderung aufzeigt und mit seinem Einsatz Umweltbewegungen in Nigeria und der ganzen Welt stärkt“, erklärte die Jury. Bassey bezeichnete die Auszeichnung als „Genugtuung für den gerechten und entschiedenen Kampf betroffener Gemeinden weltweit für Umweltgerechtigkeit. Wir wollen endlich ein Ende der Umweltverbrechen großer Öl-Giganten wie Shell in Nigeria und überall in der Welt“. Seine Arbeit ist vor allem von der Einsicht geprägt, dass eine intakte Umwelt die zentrale Grundlage für die Wahrung der Menschenrechte darstellt. (Quelle: obgenannte Homepage)

Wer dem Vortrag beiwohnen durfte, wird bestätigen, dass dieser Mann es schafft, wie kein anderer, die Zuhörer/-innen in seinen Bann zu ziehen. Sein Sprechen in Bildern und Metaphern, seine ehrliche, nette, sympathische (Zitat: „I ask for the headmaster’s permission to shake this place!“), freundliche, zuvorkommende, menschliche und nicht zuletzt absolut mitreißende und humorvolle Art und Weise macht Bassey zu einer Ausnahme-Erscheinung. Es ist nicht gelogen, wenn ich behaupte, dass dies mit Abstand die phänomenalste Persönlichkeit ist, welche seit Beginn der Projekte die Mehrerau beehrte.

Nnimmo Basseys Ziele lassen keine Zweifel aufkommen: Es müsse darum zu tun sein, hier seien vor allem die Jugendlichen gefordert, so der Preisträger, sich den Ölgiganten -etwa Shell- entgegenzusetzen, um in Nigeria -aber auch weltweit- für Gerechtigkeit und sich in erster Linie gegen Korruption, Machtmissbrauch und die „Vergewaltigungen“ (Zitat) der Natur zur Wehr zu setzen. Wie? Mit Zivilcourage, unter Verwendung moderner Mittel (soziale Netzwerke) und der intellektuellen Macht der „civil society“ („thinking straight“); vor allem aber müsse dieser Kampf ausschließlich gewaltlos sein. Die Schauergeschichten, die Bassey erzählt, klingen dermaßen surreal, dass es kaum zu glauben ist, was in Nigeria vor sich geht. Tagtäglich werde die Umwelt durch die Förderung von Gas, Kohle und vor allem Erdöl um ein Stück mehr ruiniert. Die Regierung ordne sich dabei den wirtschaftlichen Interessen der Global Players und der Weltbank unter. Die Folge: vergiftetes Wasser, krebserregende Fische, saurer Regen, Missgeburten, schwarzer Himmel, ermordete Menschen und mehr.

Als das eindrücklichste Beispiel bewerte ich folgendes Ereignis, welches der Dichter in seinem Gedicht „I thought it was Oil, but it was Blood“ eindrücklich im Stile einer Slam-Poetry-Vorstellung (nur viel besser) verarbeitet hat und zum Besten gab: Als ein nigerianisches Dorf eines Tages ein Zeichen des Protests setzen wollte und die Gasflammen einer Raffinerie einfach abdrehte (und daraufhin wenige Tage den blauen Himmel wieder sehen konnte), reagierte das Militär mit Gewalt; alle Einwohner wurden hingerichtet. Wer Interesse am Gedicht aus dem Buch „To Cook a Nation“ hat (Titel ist eine Metapher für die Klimaerwärmung: Ein Frosch stirbt bekanntlich, wenn er in einem Glas bleibt, dessen Wasser zu kochen beginnt.), melde sich bitte bei mir, ich verspreche dem werten Leser/der werten Leserin mehr als eine Gänsehaut. Es ist dies das schönste, schrecklichste, traurigste und wortgewaltigste Gedicht zugleich, das mir jemals untergekommen ist.

An dieser Stelle muss der Bericht nun Enden, leider ist es mir nicht möglich, die gut 2,5 Stunden, welche wir mit Nnimmo Bassey verbringen durften, in Worte zu fassen. Zu wortgewaltig ist diese imposante Erscheinung. Ein Zitat möge auch dem Leser/der Leserin eindrücklich beweisen, was ich meine, wenn der Umweltaktivist sogar sein Leben aufs Spiel setzt und niemals müde wird im Versuch, die Umwelt den Klauen der „großen Monster“ (Zitat) zu entreißen. Dabei lacht Nnimmo Bassey sogar:

„I’ll not reach the mountain’s top, BUT I will keep climbing!” 

Fazit: Wer diesen Mann gehört hat, wird nie wieder ohne schlechtes Gewissen an einer Tankstelle vorbeifahren, geschweige denn das Auto volltanken.

Robert Senoner

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