7a goes Theater

Theaterbesuch_Faust_1
13.10.2012 - Christian Kusche

7a goes Theater

Theaterbesuch_Faust_1

„Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust“

„Habe nun, ach! Philosophie,

Juristerei und Medizin,

Und leider auch Theologie

Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.

Da steh ich nun, ich armer Tor!

Und bin so klug als wie zuvor;

Heiße Magister, heiße Doktor gar

Und ziehe schon an die zehen Jahr

Herauf, herab und quer und krumm

Meine Schüler an der Nase herum –

Und sehe, daß wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen.

Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,

Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;“

Wer kennt obiges Zitat nicht? Die Klasse 7a durfte -freiwillig gezwungen- am 11.10.2012 einen einmaligen „Faustmarathon“ miterleben, in dessen Mittelpunkt das Streben des Dr. Faust nach dem Urquell des Lebens steht. Auf der Suche nach dem ultimativen Glück und letzten Endes auch seinem ICH verbürgt er sich im Jenseits dem Teufel, der ihm als diesseitiger Diener das Irdische schmackhaft machen soll. Auch kippt die Gelehrtentragödie gekonnt zu einer Liebes-, der Gretchentragödie. Der Ausgang der Handlung ist mehr als fatal, wusste doch bereits Brecht scharf zu urteilen: „Im Grunde genommen ist es die Liebesgeschichte eines Intellektuellen mit einer Kleinbürgerin. Das muss ja mit dem Teufel zugegangen sein!“ (Wie wird dieser Satz doch dem werten Kollegen Giehm gefallen.)

Vor allem der bösartige Mephisto I überzeugt durch seine unbändige Energie, seine mitreißende und in sich absolut stimmige Bühnenpräsenz, durch seinen Witz, ganz zu schweigen von den zweideutigen, derben Witzen. Auch der alte, resigniert habende Faust I spiegelt den faustischen Charakter wieder. Die lüsterne, falsche und hinterhältige Nachbarin passt wie die Faust aufs Auge (hahaha!), ebenfalls das junge, unschuldige, naive und zutiefst gläubige Gretchen überzeugt (trotz seltsamer Aussprache des „Sch-Lautes“) genauso wie die hübsche (als Domina gekleidete) Hexe. Auf die Szene des „sterbenden Schwanes“ (Gretchens Bruder Valentin wird von Faust ermordet) hätte dafür verzichtet werden können; war sicherlich gut gemeint, aber trotz der Tragik der Szene lustig. Immerhin: Ganz so lächerlich wie die Schluss-Szene des „Hamlet“ vor 2-3 Jahren war der Todeskampf dann doch nicht.

Die Inszenierung ist gemäß dem Credo „Reduktion der Formen“ (oft leider auch als Ausrede verwendet) sehr modern, klar, schnörkellos und kommt ohne großartige Bühnenbilder aus. Umso mehr kommen die Monologe und Dialoge, ja die Figuren im Gesamten, zum Tragen. Der Kunstgriff des Rollentausches zwischen Faust und Mephisto ist genial, ebenso wie der Einsatz von Beleuchtung und Musik (Klavierbegleitung). Vor allem die Zitate sowie Tiraden gegen das Menschengeschlecht, die Frauen und die Kirche wirkten zu keinem Zeitpunkt abgedroschen.

Fazit: Dass in Bregenz der „Faust“ aufgeführt wird, grenzt an ein Wunder, dass die Inszenierung bei den tapferen Schülern nicht auf komplette Ablehnung stößt, ist Kompliment genug. Die Darbietung ist trotz der Handlung witzig (i.e. echter Pudel auf der Bühne), komisch, spritzig und für eine vierstündige Aufführung dennoch relativ kurzweilig, auch wenn der erste -zwar langsam anlaufende- Teil „peppiger“ daherkommt. Lediglich die verruchten, sexuellen und sehr expliziten Anspielungen des lustvollen Mephistopheles könnten dem ein oder anderen Zuschauer ein Dorn im Auge sein. Auf alle Fälle kann die Tragödie weiterempfohlen werden, bringen Sie einfach ein bisschen Sitzfleisch mit, bei unerwünschten Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Wem die vier Stunden zu lange dauern, google mal den genialen Clip „Faust in fünf Minuten“ auf youtube (http://www.youtube.com/watch?v=k6NywGKS6EQ).

Dank ergeht an Markus Rinnerthaler für das Wahrnehmen seiner Funktion als „Schnittstelle“ zwischen Schule und Sportzweig, ohne ihn wäre vielleicht auch das Fußballtraining nicht ausgesetzt worden. Selbstverständlich bedanke ich mich auch herzlichst beim Leiter der Akademie, Andreas Kopf, sowie den wackeren Boys aus der 7a, die fast vollzählig anwesend waren und sich besser als so manche weibliche Altersgenossinnen benommen haben (i.e. furchtbares Gekicher). Tobias und Sebastian haben mir außerdem versprochen, eines der Bilder als neues Facebook-Profil zu verwenden. Die Botschaft hör` ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Wer noch mehr Zitate vertragen kann, konsultiere bitte http://www.zitatefaust.net/.

Robert Senoner

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